Chronik

Chronik des Duisburger SC / SV 1900

"Fußball im ständigen Wandel der Zeit"

 
 
Die Fußball-Geschichte des Duisburger SV 1900 ist nun hundert Jahre alt. Alle Höhen und Tiefen der stets wechselnden Zeitepochen in einer "Story" aufzuzeichnen, ist schon schwierig. Wegen des enormen Umfanges müssen auch Details auf der Strecke bleiben. Der Chronist versucht dennoch, dem wechselvollen Geschehen "rund um das runde Leder" so dicht wie möglich auf die Spur zu kommen. Noch anzumerken ist, dass in jedem Verein die 1. Fußball-Mannschaft das sogenannte "Aushängeschild" ist und deren Abschneiden der ständige Wertmesser des Niveaus ist.
Wo soll man beginnen? Am besten da, wo alles begonnen hat, nämlich mit dem Wechsel in das 19. Jahrhundert. In unserem Land entfaltete sich der Fußball nach Gründung des DFB erst langsam in die Breite. Bis dahin war das Spiel mit dem runden Leder in unserem Land noch längst nicht „gesellschaftsfähig", während in England der Fußball längst seinen Siegeszug angetreten hatte. Aber mit der „Bolzerei" auf Wiesen und freien Plätzen, die es noch reichlich gab, war es nun vorbei. Vom DFB gingen erste Anordnungen aus.
Es kam zur Gründung von Vereinen, die sofort Fußball anboten. So auch in Wanheimerort, wo sich tatenfreudige Männer fanden, die einen Klub gründeten. In der elterlichen Wohnung des mutigen Josef Sperling hoben er, der ehemalige Ehrenvorsitzende August Lesch und einige tapfere Mitstreiter den „Spiel- und Sport-Verein Germania“ aus der Taufe. Das geschah am 21.Juli 1900. Mit guten Vorsätzen ging man an die Arbeit. In der Anfangsphase gab es Probleme, die überwunden werden mussten.
Interessant ist vielleicht noch zu erwähnen, dass schon 1892 sportfreudige Mitarbeiter des örtlichen Kabelwerkes mit „englischer Unterstützung" und Interessenten aus Turnvereinen erste Anfänge in Sachen Fußball vollzogen. Auf einer Wiese am Pulverweg sollten erste Wettspiele stattfinden. Auf Tore mit Holzlatten wurde gekickt, aber die Begeisterung war gross. Später schlossen sich die meisten „Kabelwerker" dem neugegründeten Verein in Wanheimerort an.
Noch stand das Sportgeschehen einige Zeit im Zeichen der Turnerei. Beim Spiel mit dem runden Leder mussten noch bessere Voraussetzungen geschaffen werden. So auch im Stadtteil Wanheimerort, wo bekanntlich der unvergessene grossartige Tenor Rudolf Schock seine Kindheit verbrachte. Vorrangige Aufgabe war die Schaffung eines Spielplatzes. Das geschah mit viel Eigenarbeit am Eingang des neuen Friedhofes an der Seite „Zum Lith“.
Schwieriger Beginn
In unteren Bereichen gab es zunächst noch keine Meisterschaftsspiele. Gegner mussten gesucht werden. Es fanden häufig Turniere „in Freundschaft" in enormen Umfang statt. So soll es einmal in Wuppertal-Barmen ein Turnier mit 42 Teams stattgefunden haben. Selbstverständlich zahlten die Wanheimerorter Kicker zunächst noch etwas „Lehrgeld". Nur langsam vollzog sich der Fortschritt. Die Mannschaft des vielfachen Westmeisters Duisburger SV, die international erfahrene Truppe des VfvB Ruhrort sowie die Preussen aus der Ruhrau gaben den Ton an.
Immer mehr neue Vereine kamen hinzu, bei denen es leistungsmäßig schneller aufwärts ging. Unter anderem beim Meidericher SV, Union Hamborn, SV Meiderich 06 und schließlich beim benachbarten DFV 08. Doch die erfreuliche Aufwärts-Entwicklung erhielt schon bald den ersten Dämpfer.
Es kam zum zwangsläufigen Stillstand, als 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Nach Beendigung des sinnlosen Völkermordens folgte die von Hunger und Not geprägte dunkle Nachkriegszeit. Erst langsam vollzog sich die Normalisierung im Sport, obwohl noch die Besatzungs- und Inflations-Zeit zu überwinden war.
Beim Ausbau der neuen Anlage „Waldfrieden", die sich am Kalkweg gegenüber dem Wedau-Stadion befand, wo der FC Taxi den Spielbetrieb weiter führte, legten die Mitglieder kräftig „Hand an".

Blick auf die Kampfbahn Waldfrieden, die 1924 in Betrieb genommen
wurde, wo viele große Schlachten mit dem runden Leder stattfanden.
(Heute: BSA IV im Sportpark Wedau)
Es erfolgte der Neubeginn. In Wanheimerort kam allerdings erst 1924 der gewaltige Aufschwung. Am 2. August vollzog sich die Vereinigung mit dem „Fußball-Club Vorwärts“. Die „Germania“ hatte Mangel an Sportgeräten, besass aber einen Sportplatz. Der FC Vorwärts war gut ausgestattet, musste jedoch den Verlust seiner Anlage verkraften. So ergab sich eine zweckmässige Ergänzung. Und das neugewählte Vorstands-Gremium entschied sich für einen neuen Vereinsnamen: Duisburger Sport - Club 1900.
Mit der erhöhten Zahl an Mitgliedern und neuen Zuwächsen konnte man nun den Spielbetrieb mit zahlreichen Mannschaften fortführen. Bei der 1. Garnitur nahm die Spielstärke ständig zu. Zuerst in der Kreisliga folgte schon bald der Doppelaufstieg zur 2. und 1. Bezirksklasse. Zu Beginn der 30er Jahre gelang sogar der Sprung in die Sonderklasse.
Grosse Erfolge
Die „Erste" des DSC 1900 verfügte schliesslich über eine beachtliche Kampfstärke. Gegner wie der Meidericher SV, Hamborn 07, Union Hamborn, VfvB Ruhrort oder die benachbarten Turaner aus Neudorf erfuhren jedenfalls, dass auf der Kampfbahn „Waldfrieden" hin und wieder rauhe Luft wehte. Damals spielte das Team in dieser Besetzung mit: Tillmann, Jungbluth, Hofmeister, van Dick, Zensen, Harlinghaus, Becker, Meinberg, Köther und Klawitter.
Die gute und harmonische Zusammenarbeit innerhalb des DSC 1900 zog immer mehr Sportwillige an. Daraus ergab sich, dass auch andere Sportarten eingeführt wurden. Neben dem Fussball gab es bald Handball für Männer und Frauen sowie eine rührige Turnabteilung. Es kam zum Anschluss der Boxstaffel von Teutonia Duisburg. Eine ehrgeizige Leichtathletik-Gruppe von Gehern wuchs mit ihren Leistungen immer wieder über sich hinaus. Zahlreiche westdeutsche Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften wurden errungen.Vor der „Matchübernahme" setzten die sieggewohnten DSC-Geher noch einen besonderen Glanzpunkt, indem sie den deutschen Meister-Titel auf der Strecke über 50 km mit nach Wanheimerort brachten. Sie wurden nach der Rückkehr in Wanheimerort mit viel Beifall bedacht und selbstverständlich gebührend gefeiert. Anlässe zum Feiern gab es bis dahin beim DSC 1900 immer wieder. Man nahm es noch nicht so verbissen ernst, auch wenn es mal nicht ganz nach Wunsch im Spiel oder sportlichen Wettkampf klappte. Es gab keinen ungesunden Leistungsdruck.
Die Neuordnung
1933 - ein turbulentes Jahr. Nach der grossen Wirtschaftskrise und Zeiten der Unruhe kam Hitler am 30. Januar an die Macht. Unter der neuen Führung erfolgte auch auf sportlichem Sektor schnell ein Wandel. Im Fußball gab es im Zuge der Neuordnung eine Umgruppierung. Aus 16 deutschen Gauen fasste man renomierte Mannschaften in Zehner-Gruppen zusammen. Die oberste Spielklasse nannte sich nun Gauliga.
Die Mannschaften der benachbarten Vereine TuS Duisburg 99 und Duisburger FV 08 aus dem Süden und der amtierende Niederrhein-Meister Hamborn 07 aus dem Norden der Stadt zogen in die höchste Spielklasse ein. Warum die Kicker des vielfachen Westmeisters Duisburger SV und des bis dahin überaus erfolgreichen Meidericher SV keine Berücksichtung fanden, blieb damals vielen ein Rätsel.
Das Wedau-Stadion, wo die 99iger spielten und die ehrwürdige Grunewald-Kampfbahn in Hochfeld standen nun mit im Blickpunkt des Fussballgeschehens, was sich für den „mittendrin" befindlichen DSC 1900 negativ auswirkte. Zur zweitrangigen Bezirksklasse (in etliche Gruppen aufgeteilt) stiegen die Wanheimerorter zwar 1934 zusammen mit Nachbar TuRa 88 aus Neudorf auf, trafen aber dann auf sehr starke Konkurrenz.
Als Aufsteiger konnte sich das DSC-Team zunächst relativ gut behaupten. Immerhin mussten sie gegen die Mannschaften des DSV, Meidericher SV, VfvB Ruhrort und Meister Union Hamborn mit Nationalspieler „Päule" Zielinski antreten, dessen Team auch den Aufstieg zur Gauliga schaffte. Jedoch schon in der folgenden Saison 1935/36 mussten sich die Wanheimerorter wieder aus der Bezirksklasse verabschieden. Es haperte vor allem an der Angriffsstärke. Nur 18 Tore bei 26 ausgetragenen Spielen. Das besagt alles. Kurioserweise mussten auch die Turaner aus Neudorf mit „ins Gras beissen".
Inzwischen war einiges geschehen. Diktatorische Maßnahmen sorgten manchmal für Unruhen.Tiefbetroffen musste man den Verbot von DJK-Vereinen hinnehmen. In den Vordergrund spielten sich die Mannschaften von Werkssport- und „Pütt- Vereine" sowie später Wehrmachts-Teams. Die Fußballer des Duisburger SC 1900 mischten nun munter in der 1. Kreisklasse mit, in der auch ganz beachtlich gespielt und gekämpft wurde. Vor allem die zahlreichen Lokalderbys lockten oftmals viele Zuschauer an. Echte Fussballbegeisterung herrschte damals in allen Spielklassen.
Vielleicht hätte es ja auch zu mehr gereicht, wenn der hochtalentierte junge Keeper Toni Turek, der 1954 mit zur deutschen WM - Meistermannschaft gehörte, nicht vorzeitig zum benachbarten Gauliga-Vertreter Duisburg 99 gewechselt hätte, um dort die Nachfolge von Willi Abromeit anzutreten.
Der schreckliche Krieg
Das Vereinsleben beim DSC 1900 pulsierte in den Jahren bis 1939 jedenfalls kräftig, auch wenn die Verantwortlichen öfter mit neuen Anordnungen „von oben" fertig werden mussten. Die Aktiven pflegten die Kameradschaft und Geselligkeiten. Nach jedem Spiel war ein kleiner Umtrunk fällig, wurde gesungen und die Frauen waren darin einbezogen. Man spielte Fußball mit Elan, trainierte fleißig und hatte ausserdem noch richtig „Spass an der Freud".
Aber dann zeigten sich immer mehr dunkle Wolken am politischen Himmel. Nach einem herrlichen Sommer gingen jedoch am 1. September 1939 in Europa die Lichter aus. Der von Hitler mit Macht betriebene 2. Weltkrieg begann. Zunächst war der Sport noch nicht so stark vom Kriegsgeschehen beeinflusst Erinnert sei an ein Pokalspiel, das die Wanheimerorter im Januar 1940 gegen die Turaner aus Neudorf bestritten, und haushoch mit 15:1 gewannen! An der üppigen Ausbeute war das aufstrebende Fussball-As Adi Preißler mit fünf Treffern beteiligt. Zu vermuten ist wohl, dass beim Verlierer schon etliche Stammspieler als Soldat dienten. Aber in der Folgezeit änderte sich das. Es häuften sich die Bombenangriffe. Auch beim DSC 1900 mussten immer mehr Sportler zum Militär einrücken. An allen Fronten tobten die Schlachten. Die Schrecken des Krieges nahmen ständig zu. Von einem geregelten Spielbetrieb im Fussball konnte keine Rede mehr sein. Auch die Stadt Duisburg wurde „aus der Luft" fast völlig zerstört. So auch die Anlage „Waldfrieden" vom DSC 1900 am Kalkweg. Es konnten zwangsläufig keine Spiele mit dem runden Leder mehr stattfinden. Aber alles geht einmal zu Ende. So auch die grausamen und furchtbaren Jahre des Krieges.
Erfolgreicher Neubeginn
Endlich am 8. Mai 1945 war es soweit. An diesem wunderschönen Frühlingstag endete der 2. Weltkrieg. Die Städte in Deutschland lagen fast alle in Schutt und Asche. Viele Millionen Menschen hatten im Krieg ihr Leben lassen müssen. Diejenigen, die überlebt hatten, irrten umher, suchten ihre Angehörigen und eine Unterkunft. Unzählige Soldaten saßen hinter Stacheldraht. Überall nur Hunger und Elend - ein kaum zu beschreibendes Chaos. So die erste Phase der Nachkriegszeit.
Im Sport herrschte selbstverständlich zunächst noch totaler Stillstand. Vorstände und Sportler der Vereine standen buchstäblich vor einem Nichts. Aber dieser Zustand hielt nicht lange an. Schon bald regte sich allseits ein gewaltiger Tatendrang. Natürlich auch beim Duisburger SC 1900. Unter Leitung des Vorsitzenden Josef Loges und Vorbildern wie August Lesen, Paul Jakobi, Gerhard Eisenbrand und einigen mehr, ging man mit neuem Mut zur Sache.
Man krempelte die Ärmel hoch und ging mit Feuereifer an den Wiederaufbau. In unermüdlicher Arbeit richteten die damaligen Mitglieder ihre Anlage her. Obwohl alle grosse Not litten, stand keiner abseits. Trotz „Hunger im Bauch" arbeiteten sie am Kalkweg manchmal bis zum späten Abend. Es mussten Baumaterial, Sportkleidung sowie Spielbälle „organisiert" werden. In diesen dunklen Nachkriegstagen zeigte sich besonders deutlich, wer dem Sport als Idealist diente. Gross war die Freude, als auf der Kampfbahn „Waldfrieden" endlich wieder das runde Leder rollte.
Der Spielbetrieb im Fußball beschränkte sich zunächst auf den Duisburger Bereich und die nähere Umgebung. Aber die Verantwortlichen des FVN wurden schnell fündig. Für das Spieljahr 1946/47 hatten sie eine Klassen- und Gruppen-Einteilung geschaffen. Vom Kreis-Vorstand kamen die Spielpläne. Die Mannschaft des DSC 1900 startete in der Gruppe l der Bezirksklasse.
Im Verlauf dieses Spieljahres konnten die Wanheimerorter nur schwer Fuß fassen. Zuerst waren die Ergebnisse unterschiedlich, dann stellte sich enorme Rückläufigkeit ein. Es drohte der Abstieg, der jedoch noch einmal abgewendet werden konnte. Durch die Erfolge über die mitgefährdeten Teams von Mülheim 07 (4:1), Vorwärts Mülheim (4:0) und das „Schlusslicht" GW Hambom (5:1) kam man mit einem „blauen Auge" davon.
Die Verantwortlichen des WFV hatten 1947 den Plan für die Neugestaltung im Spitzen-Fußball erstellt. Aus der Taufe gehoben wurde die Oberliga West, die am 14. September mit zunächst dreizehn Mannschaften an den Start ging. Ein Jahr später nach der Währungsreform trat das Vertragsspielerstatut in Kraft. Die Spieler durften monatlich bis 360 DM und Leistungszulage von zehn Mark pro Einsatz kassieren. Es drehte sich nun fast alles um den sogenannten „bezahlten Fußball".
Am Mannschaftsgefüge des DSC 1900 änderte sich kaum etwas. So wurde es in der folgenden Saison noch schwieriger. Man spielte nun in der Gruppe 3, aber die meisten Gegner verfügten über eine enorme Spielstärke. Die Kicker vom Kalkweg kamen niemals richtig in Tritt und fielen schon frühzeitig auf den vorletzten Tabellenplatz zurück. Mit einer l:6-Niederlage gegen den Zweiten SuS Dinslaken 09 hiess es zunächst Abschied nehmen aus der Bezirksklasse.
Endlich der Aufschwung
Der sportliche Rückschlag wurde gut verkraftet. Neu motiviert ging ein zu allem entschlossenes Team in der nachfolgenden Saison in der 1. Kreisklasse an den Start. Von Beginn an lief alles wie am Schnürchen. Mit starken Kräften wie Gerd Schönknecht, Hennes Lohmann, Hein Tiede und Willi Mohr war der DSC nicht zu bremsen. Man eilte von Sieg zu Sieg. Wichtig war der l:0-Erfolg im ersten Durchgang beim hartnäckigen Verfolger VfL Hüttenheim vor einer grossen Zuschauerkulisse.
Erst am 13. Spieltag beim 0:0 in Grossenbaum büssten die Wanheimerorter den ersten Verlustpunkt ein. Direkt danach kam der VfL Hüttenheim zum alles entscheidenden Rückspiel. Auf der Kampfbahn „Waldfrieden" fanden sich 5000 !!! Zuschauer ein, erlebten einen Kampf auf Biegen oder Brechen. Am Ende trennte man sich torlos. Die Entscheidung war gefallen, denn der DSC 1900 erlaubte sich keinen einzigen Schnitzer mehr und schloss mit einem 3:l-Sieg über ETuS Bissingheim ab. Die Rückkehr zur Bezirksliga war gelungen und wurde im Mai 1949 in Wanheimerort gebührend gefeiert.
Einen echten „Leckerbissen" bot der DSC 1900 den Fans noch anschliessend. Der dreifache Westmeister Borussia Dortmund (noch ohne Adi Preißler) stellte sich in Wanheimerort zu einem Freundschaftsspiel, das er vor über 2000 Zuschauem klar mit 5:1 gewann. Den Duisburger Treffer zum 1:2 erzielte Gerd Schönknecht.
Die Wanheimerorter trugen vor der Sommerpause noch Spiele um die Kreismeisterschaft aus, die aber mit einem „toten Rennen" endeten. Die Ergebinsse lauteten: Gegen SV Walsum 3:4 und 2:2, gegen SV Mülheim 07 5:0 und 1:1.
1.Kreisklasse (Gruppe 1) Saison 1948/49
Rang: Verein: Tore: Punkte:
1. Duisburger SC 1900 68:18 30-2
2. VfL Hüttenheim 79:15 27-5
3. Viktoria Buchholz 40:32 16-16
4. TuSpo Huckingen 30:38 16-16
5. TuS Großenbaum 35:41 14-18
6. ETuS Bissingheim 29:37 13-19
7. BV Beeck 05 29:48 11-22
8. TuS Mündelheim 33:69 9-23
9. GW Serm 28:81 8-24

 

Der Aufschwung in Deutschland war in allen Bereichen im vollen Gang. Man bezeichnete dies als das „Wirtschaftswunder". Das sportliche Leben erhielt immer neue Impulse. Grosse Begeisterung und ein unbändiger Leistungswille herrschte allerseits. Zuversichtlich blickte man auch beim DSC 1900 den „Goldenen" 50er Jahren entgegen. Der Vorstand, unter vorbildlicher Leitung des „Unentwegten" August Lesch, schafften gute Voraussetzungen für weitere sportliche Erfolge. Die gewissenhafte Pflege des Nachwuchses wurde dabei keinesfalls vernachlässigt. Ein Unterbau an unteren Mannschaften gehörte dazu.
Auch wenn das von Spielmacher Willi Koll bestens geführte Team des legendären „Altmeisters" DSV als direkter Nachbar sich zur West-Elite hochgespielt hatte und wieder im Duisburger Süden im Blickpunkt stand, herrschte beim DSC 1900 eine ausgesprochen gute Moral. Verkraftet werden mußte letztlich der Verlust von so herausragenden Kräften wie Torwart Jupp Broden, Hennes Lohmann, Paul Josten, Peter Zimmermann (alle zum DSV), Gerd Schönknecht (zum Meidericher SV) sowie Alfons Dyniak und Hein Tiede (zu Hamborn 07).
Der zweifache Nationalspieler Adi Preißler hatte sich schon viel früher „abgesetzt". Er spielte zunächst im legendären „100 000-Mark-Sturm" bei Preussen Münster und erlebte seine Glanzzeit bei Borussia Dortmund.
Der ständige Zuwachs an brauchbaren Kräften aus eigenen Reihen trug letzlich mit dazu bei, dass über etliche Jahre hinweg eine spielstarke Truppe auf dem Platz stand und kräftig mitmischte. In den folgenden zwei Spieljahren erkämpften sich die „Schwarz Weissen" aus Wanheimerort in der Bezirksklasse die Vizemeisterschaft, scheiterten aber mit einem klaren Punkterückstand zunächst am VfR Oberhausen 08 und dann an den Styrumer „Löwen".

 


ZWEI ASSE: Adi und Toni
Zwei ehemalige Fußballer ersten Ranges erhielten als Jugendliche beim DSC 1900 den ersten Schliff. Alfred Preißler gehörte während der Oberliga-Zeit (1947-1963) zu den herausragenden Stürmern im Westen. Im Dreß von Borussia Dortmund bestritt er 212 Spiele und erzielte immerhin 136 Tore. Mit dem BVB-Team war er als Spielführer am Gewinn von zwei deutschen Meisterschaften beteiligt. Vorher, 1949 war der zweifache Nationalspieler dabei, als die Borussen das DM-Finale gegen VfR Mannheim mit 2:3 nach Verlängerung verloren. In Münster spielte Adi im legendären „100.000-Mark-Sturm". Mit den Preußen spielte er 1951 im Finale gegen die Walter-Elf des 1. FC Kaiserslautem, das mit 1:2 verloren ging. Auch als Trainer bei renommierten Vereinen stellte er seine fußballerischen Fähigkeiten unter Beweis. Bei Rot-Weiß Oberhausen war er besonders erfolgreich.
Torwart Toni Turek wechselte bereits frühzeitig zum benachbarten Gauligisten Duisburg 99. Nach dem 2. Weltkrieg begann er im Süden bei Eintracht Frankfurt und SSV Ulm. Dann, 1950, kehrte er in den Westen zurück und erlebte bei Fortuna Düsseldorf seine Glanzzeit. DFB-Trainer Sepp Herberger gab ihm im gleichen Jahr eine Chance. So brachte er es auf 20 Länderspiele. Höhepunkt seiner Laufbahn war die Teilnahme an der WM 1954 mit dem Titelgewinn nach dem unvergeßlichen 3:2 Sieg über Ungarn. „ Toni Du bist ein Hergott" rief Reporter Herbert Zimmermann als er eine Glanzparade nach der anderen bot. Bei Borussia Mönchengladbach beendete der sympathische und allerseits beliebte „Wanheimerorter Jong" seine fußballerische Laufbahn.

 

Grenzenlose Freude
Nach weiteren guten Plazierungen im Spitzenfeld setzte das DSC-Team in der Saison 1954/55 zum Höhenflug an. Mit prächtigem Offensivfussball bekam man fast alle Gegner fest in den Griff. Immer wieder von zahlreichen Fans unterstützt wurde es ein eindrucksvoller Durchmarsch, der mit der Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg zur ranghöchsten Amateur-Liga endete. Der Jubel und die Freude kannte keine Grenzen, als die Aufsteiger nach dem 4:l-Sieg beim Absteiger SV Neuenkamp nach Wanheimerort zurückkehrten.
Der Verfolger SV 06 Osterfeld geriet mit zehn Punkten ins Hintertreffen. Nur drei Niederlagen kassierten die Wanheimerorter, während auf dem Habenkonto 97 Treffer standen. Als alles gelaufen war, stellten die DSCer unter Beweis, dass sie auch kräftig feiern können. Bei so einem tollen Erfolg hatte man in Wanheimerort allen Grund dazu.
Bezirksklasse (Gruppe 2) Saison 1954/55
Rang: Verein: Tore: Punkte:
1. Duisburger SC 1900 97:36 51-13
2. SV Osterfeld 77:54 41-23
3. Rhenania Bottrop 57:46 39-25
4. Viktoria Oberhausen 74:61 37-27
5. VfR 08 Oberhausen 65:49 35-29
6. VfL Hüttenheim 56:64 33-31
7. SC Osterfeld 80:67 32-32
8. TuS Großenbaum 74:76 32-32
9. VfR Alstaden 67:71 31-33
10. Meiderich 06 63:58 30-34
11. Heimaterde Mülheim 58:72 30-34
12. VfvB Ruhrort 70:73 27-37
13. SV Bottrop 42:51 27-37
14. BV Beeck 05 61:75 26-38
15. PSV Duisburg 59:106 26-38
16. SV Neuenkamp 63:71 23-41
17. SV Dümpten 51:80 21-43

 

Toller Einstieg
Nun mussten sich die DSCer in der Gruppe 2 der ranghöchsten Amateurliga behaupten. Das hatte seinen besonderen Reiz, denn zu den Gegnern zählten u.a. die Nachbarn DFV 08 und TuS Duisburg 48/99, der Homberger SV, Union Hamborn, Preussen Krefeld und SV Neukirchen. Mit hohen Erwartungen ging man an den Start.
Es klappte besser als erwartet, denn die Elf des DSC 1900 bekam keine Probleme. In den Heimspielen erlebten die treuen Fans bei nur vier Siegen manche Enttäuschung, aber auswärts gewann die Mannschaft sechsmal „zu Null". Der Absteiger VfL Repelen bekam eine 9:0-Abfuhr. Der Abschluss mit dem 7. Tabellenplatz stellte alle im Verein zufrieden.
Das gute Abschneiden wirkte sich weiter motivierend aus. Es ergaben sich kaum personelle Veränderungen. Die Mannschaft pflegte die Kameradschaft, hielt zusammen wie Pech und Schwefel, verfügte über ein beachtliches kämpferisches und spieltechnisches Vermögen. Der Vorstand, mit Karl Bader an der Spitze, hielt das „Vereinsschiff" weiterhin auf richtigem Kurs.
Ein harter Schlag
1957, ein ganz besonders Jahr. Die Wanheimerorter Kicker schossen über das Ziel hinaus, schafften hinter Meister SV Byfang, Ex-Oberligist SF Katernberg und dem 1. FC Bocholt den 4. Tabellenplatz. Damit hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Und nebenan beim „Altmeister" DSV gab es auch einen besonderen Höhepunkt, denn die Koll-Truppe nahm an den Spielen zur Deutschen Meisterschaft teil und verpasste nur knapp den Einzug ins Finale.
In der Saison 1957/58 lief bei den Wanheimerortern zwar nicht alles rund, aber es reichte immerhin noch zum 11. Tabellenplatz. Mit einem 6:2-Sieg beim SC Osterfeld endete jedoch das Dasein in der bis dahin höchsten Amateurklasse. Der FVN hatte die Einführung der Verbandsliga Niederrhein beschlossen. Die bestplazierten Mannschaften gehörten nun zur Niederrhein-Elite. Der DSC 1900 wurde zur viertklassigen Landesliga zurückgestuft. Ein in der Tat „kalter" Schlag. Grosse Enttäuschung auch in Wanheimerort.
Die Rückstufung wirkte sich in der Folgezeit negativ aus. Tief saß der Frust. Der Verlust von Spielern liess sich nicht vermeiden. So kam es, wie es kommen musste. In der viertrangigen Landesliga geriet man schon bald mit in den Abstiegsstrudel. Vergeblich das Aufbäumen der Mannschaft. In der Endabrechnung fehlten zwei Punkte zum Klassenverbleib. Also wieder Rückfall zur Bezirksklasse.
„Nun erst recht" schworen sich die Kicker aus Wanheimerort, als die Saison 1959/60 „eingeläutet" wurde. Bestens motiviert gelang ein erfolgreicher Start und es folgte ein zunächst spannender Spitzenkampf, an dem sich vor allem noch die Teams von Meiderich 06 und dem SV Duissern beteiligten.
Die Konkurrenz wurde anfällig, während die DSCer ihre konstante Form halten konnten. So gelang letztlich ein Wiederaufstieg „auf Anhieb". Bei einem Vorsprung von immerhin sechs Zählern drückte sich die Überlegenheit aus. Der DSC 1900 war wieder in der Landesliga. Als das Ziel erreicht war, hiess es "Hoch die Tassen" in Wanheimerort.
Bezirksklasse (Gruppe 2) Saison 1959/60
Rang: Verein: Tore: Punkte:
1. DSC 1900 76:32 47-13
2. Meiderich 06 81:40 41-19
3. SV Duissern 64:45 39-21
4. DSV Amateure 55:41 36-24
5. GW Hamborn 72:58 36-24
6. TuS Buschhausen 65:48 35-25
7. RW Mülheim 67:60 31-29
8. VfvB Ruhrort 65:57 30-30
9. SV Beeckerwerth 61:55 30-30
10. Hamborn 07 Amateure 45:53 29-31
11. GW Meiderich 59:59 27-33
12. Beeck 05 49:70 25-35
13. TuS 48/99 Amateure 47:61 22-38
14. Union Mülheim 55:78 22-38
15. TuS Großenbaum 44:78 18-42
16. VfL Wedau 33:93 12-48

 

Das "liebe Geld"
Es folgten nun die 60er Jahre. Dem DSC 1900 standen wechselvolle Zeiten bevor. Die 1. Mannschaft behauptete sich in den folgenden drei Jahren in der Landesliga auf achtbaren einstelligen Tabellenplätzen. Zum Ende der Saison 1962/63 kam es zur grundlegenden Neugestaltung im bundesdeutschen Spitzenfußball. Sechzehn Teams erhielten einen Platz in der neuen Bundesliga, darunter auch der Meidericher SV. In der direkten Nachbarschaft der Wanheimerorter - gemeint ist das Wedau-Stadion - strömten nun die Massen, wenn die „Zebras" des MSV gegen die Kicker der Elite-Klubs antraten. Ausserdem spielte nun auch das „liebe Geld" eine grössere Rolle. Der Amateurbereich blieb davon keinesfalls verschont. Hier nahm der Spielerwechsel ständig zu. Finanzkräftige Vereine konnten sich spielstarken Zuwachs zur Verstärkung leisten. Beim DSC 1900 mangelte es an Sponsoren. Der Vorstand war dankbar für jede Zuwendung von spendierfreudigen Gönnern. Sparsam wirtschaften um Verschuldungen zu vermeiden hiess die Devise.
Im Spieljahr 1963/64 wurde die „Erste" des DSC als einziger Duisburger Vertreter in die sogenannte „Essener" Gruppe eingestuft, was zur Rückläufigkeit bezüglich der Zuschauerzahlen bei Heimspielen führte. Sportlich trat eine Krise ein, man kam nicht richtig in Tritt. Dazu gesellte sich eine gehörige Portion Pech. Wieder mussten die DSCer Abschied nehmen aus der Landesliga. An das ständige „Auf und Ab" hatte man sich inzwischen gewöhnt.
Keine Fusion
Die Vorstände des Duisburger SC und des benachbarten DFV 08, bei dem es inzwischen ebenfalls Probleme gab, hatten in aller Sachlichkeit über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen und diskutiert. Ende Juni 1964 kam die „Stunde der Wahrheit". In beiden Vereinen fand eine ausserordentliche Versammlung statt. In Hochfeld stimmte eine grosse Mehrheit für den Zusammenschluss. In Wanheimerort sahen die Mitglieder darin keinen Vorteil. Das Ergebnis fiel negativ aus. Die beiden Vorsitzenden Hermann Eichhorn von „08" und Paul Jakobi vom DSC 1900 registrierten sichtlich enttäuscht das Scheitern.
In einem Rhythmus von vier Jahren ging es weiter. Die 1. Garnitur des DSC 1900 mischte wieder in der Bezirksklasse mit, wollte schnell wieder in die Landesliga zurück. In den folgenden drei Meisterschaftsrunden blieb es allerdings beim guten Willen. Erst in der Saison 1967/68 konnte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Der Verlauf vollzog sich spannend denn die Teams des SV Walsum und des SV Duissern als ernsthafte Rivalen hielten bis zum Abschluß mit. Mit dem Vorsprung von nur einem einzigen Zähler setzten sich die Wanheimerorter als Meister durch. Mager war die Torausbeute von 47 Treffern, aber die überragende Abwehr konnte nur 18mal bezwungen werden.
Namensänderung
Im Jahr 1969 kam es letztmalig zu einer Namensänderung: Der Club wurde umbenannt in: Duisburger Spielverein 1900. Die beiden benachbarten grossen Traditionsvereine Duisburger SV und TuS Duisburg 48/99 fusionierten. Man entschied sich für den Namen: Eintracht Duisburg 48. Etliche der alten „Spielvereiner" verkrafteten den Verlust des Namens nicht und schlossen sich dem DSC 1900 an, der ihnen mit der Namensänderung eine neue Heimat gab und der nun auch von ihnen finanziell unterstützt wurde.
Im Pokal konnten sich die Wanheimerorter Fußballer nicht besonders gut in Szene setzen, schieden meistens vorzeitig aus. Aber 1969 erreichten sie die 1. Hauptrunde, kamen zu einem 3:2-Sieg bei Essen-West 81, verloren aber dann mit 1:4 gegen die Amateure von SW Essen
Obwohl es nun schon nach jeder Saison im Amateur-Lager verstärkt zu personellen Veränderungen kam, konnten sich die DSVer in den folgenden drei Jahren in der Landesliga zufriedenstellend behaupten. Ereignisreich das Jahr 1973. Zusammen mit der Elf des SV Wanheim 1900, dessen Mitglieder im Mai ebenfalls das Jubiläum zum hundertjährigen Bestehen feiern, musste der erneute Abstieg verkraftet werden. Fünf Duisburger Mannschaften spielten in der Saison 1972/73 in der Landesliga, wovon ausserdem noch die Walsumer Sportfreunde aus der Parallel-Gruppe abstiegen.
Platzwechsel
Den Vorrang hatte jedoch beim DSV 1900 der Umzug von der Kampfbahn „Waldfrieden" zur BSA an der Düsseldorfer Strasse. Ein guter Tausch, denn die „alte Kampfstätte" befand sich zu dieser Zeit in keinem guten Zustand. Bei der Zunahme an Mannschaften musste der Spiel-und Trainingsbetrieb bestens organisiert werden, denn die Aktiven der DJK Wanheimerort erhielten ebenfalls Benutzungsrecht. Mit der folgenden Inbetriebnahme des DSV-Klubhauses besassen die Mitglieder des DSV 1900 nun ein Domizil, in dem sich alle wohl fühlen konnten.
Der erneute sportliche Aufschwung der 1. Mannschaft liess allerdings noch auf sich warten. In den folgenden acht Jahren musste sie in der Bezirksliga ihr Dasein fristen. In der Saison 1974/75 hätte es fast geklappt. Unter Leitung des erfahren Fußball-Praktikers Günther Brocker errangen die Waneimerorter Punktegleichheit (41:19) mit Dinslaken 09. Auf dem Platz von Meiderich 06 fand das Entscheidungsspiel statt.
Vor 2000 Zuschauern siegten die Dinslakener verdient mit 2:1. Bei den Brocker-Schützlingen kam der Angriff nicht wirkungsvoll auf Touren. Der Treffer zum 1:1 nach der Pause von Gerd Zeuge war eine magere Ausbeute. Zu den ziemlich Enttäuschten zählte Betreuer Peter Beckmann. Mit dem ehrgeizigen und ebenfalls erfahrenen Coach „Ata" Zach scheiterten die „Schwarz-Weissen" dann in der Saison 78/79 noch einmal im Aufstiegskampf, aber mit einem grösseren Punkte-Rückstand.
Das Jubiläum
Vorher im Mai 1975 feierten die Mitglieder im einem umfangreichen Rahmen das Jubiläum zum 75jährigen Bestehen. Die zahlreichen Veranstaltungen standen unter dem Motto: „Sport und Geselligkeit" und lockten auch viele Mitbürger auf den Sportplatz und ins Festzelt. Der Höhepunkt war das Fußballspiel gegen Bundesligist FC Schalke 04, das die „Knappen" standesgemäß mit 0:4 gewannen. Die Crew der vielen Helfer unter Leitung des 1. Vorsitzen­den Willi Hoffahrth hatte ganze Arbeit geleistet. So sprach er hinterher voller Lob von einer „runden Sache."
Aufwärts mit Adi
In Jahr 1978 kam es zur Einführung der Oberliga Nordrhein. Das führte zu einer weiteren Abstufung für die Mannschaften der Verbandsliga bis „ganz unten". In den betroffenen Vereinen registrierte man diese Maßnahme mit gewissem Unmut. Verständlich, denn die „Erste" des DSV 1900 spielte nun in der sechsrangigen Bezirksliga. Später schob man ausserdem noch die Regionalliga West/Südwest ein.
Der Bezirksligist aus Wanheimerort konnte sich in den folgenden Jahren zwar auf vorderen Plätzen behaupten, aber ein neuer sportlicher Höhepunkt liess noch etwas auf sich warten. In der Saison 1980/81 sollte endlich wieder der „Knoten platzen". Dem rührigen Vorstand gelang es, das legendäre Idol, der nach seiner Glanzzeit auch als Coach bei renomierten Klubs seine Bewährungsprobe bestanden hatte, nach Wanheimerort zurück zu holen. Er erkannte sofort, wo der Hebel anzusetzen ist. Voll motiviert und mit viel Begeisterung gingen seine Schützlinge an den Start und zur Sache. Sie steigerten sich von Spiel zu Spiel und liessen in der Vorrunde nichts anbrennen. Mit 26:4 Punkten rangierten die DSVer ungeschlagen an der Tabellenspitze.
Da konnten die Verfolger, zu denen auch der SV Duissern zählte, einfach nicht mithalten. Im zweiten Durchgang blieben die Leistungen der Wanheimerorter konstant. Der Vorsprung vergrösserte sich. Unangefochten erreichten sie ohne Platzverweis das Ziel: Wiederaufstieg zur Landesliga. Es sollte auch der allerletzte sein. Mit 16 Treffern rangierte Fred Monita in der Torschützenliste vorne. Aber insgesamt war es die gute Teamarbeit, die zum Erfolg führte.
Am Aufstieg waren folgende Akteure beteiligt: Mühlhaus, Meyer, Jens und Dirk Heun, Schwarz, Lewandowski, Bischoff, Schmidt, Theyssen, Buttkus, Monita, Nelles, Torwart Ujma, Gilgenbach, Möllenberg und Roßmüller.
Bezirksliga (Gruppe 8) Saison 1980/81
Rang: Verein: Tore: Punkte:
1. DSV 1900 68:30 48-12
2. SV Duissern 63:39 37-23
3. SV Spellen 54:47 36-24
4. Union Mülheim 53:41 35-25
5. Jahn Hiesfeld 51:45 34-26
6. SV Friedrichsfeld 67:55 33-27
7. BV Beeck 05 46:49 31-29
8. Walsum 09 49:47 30-30
9. Post Duisburg 55:50 29-31
10. Viktoria Buchholz 53:67 29-31
11. TV Voerde 52:52 28-32
12. SV Beeckerwerth 44:55 27-33
13. Hamborn 90 47:50 26-34
14. Meiderich 06/95 45:60 25-35
15. RSV Mülheim 41:72 17-43
16. SV Walsum 41:75 15-45

 

Die weiteren 80er Jahre absolvierte das DSV-Team ohne Unterbrechung in der Landesliga. Gekennzeichnet war dieser Zeitabschnitt wesentlich von etlichen Trainer- und vor allem Spieler-Wechseln von Saison zu Saison. Ein zwangsläufiger Trend, denn inzwischen hatte sich einiges verändert.
Mit den stets verbesserten Lebensbedingungen nahm auch das Freizeitangebot in einer fast unglaublichen Vielfalt ständig zu. Dass der Sport die „schönste Nebensache der Welt sei", davon konnte keine Rede mehr sein. Somit setzte die Zeit des Wohlstandes auch im Fußballbereich immer neue Maßstäbe. Auch die Vorstände des DSV 1900 unter Leitung von Willi Hoffarth und Franz Hering ab 1984 werden sich noch gut daran erinnern.
Die „Rangelei" um brauchbare Spieler nahm ständig zu. Neuzugänge, öfter waren abgezockte „Wandervögel", aber auch „Nieten" darunter, wurden für reichlich Geld angeheuert. Ein unerfreulicher Zustand, der sich später sogar noch verschlechterte. Und das alles nach dem Motto: "Ohne Moos nichts los".
Wie dem auch sei, der DSV 1900 musste zwangsläufig mitziehen, und sich Jahr für Jahr mit finanziellem Aufwand an der personellen Fluktuation beteiligen. Immerhin ging es ja darum, den Leistungsstand in der Landesliga zu halten, was schließlich mühevoll gelang. Dabei kam es ausserdem zu häufigen Wechseln von Trainern.
Kritische Zeiten
Nach der Landesliga-Rückkehr verpflichtete man Manfred Rummel, den ehemaligen Torjäger des Oberligisten Schwarz-Weiss Essen, als neuen Trainer. Sein Einstieg verlief erwartungesgemäss. Er förderte die Einsatzfreudigkeit und setzte auf Offensive. Problemlos erreichte das DSV-Team als Wiederaufsteiger das gesteckte Ziel. Mit dem erreichten 4. Tabellenplatz konnten alle zufrieden sein.
In der Saison 1983/84 klappte es zunächst noch besser. Die Aktien stiegen in Wanheimerort kräftig an. Aber der erfolgreiche Trend setzte sich nicht fort. Völlig unerwartet stellte sich eine Krise ein, die länger anhielt. Dadurch ging der Anschluss zur Spitze erneut verloren. Die Rummel-Schützlinge landeten auf dem 5. Rang. Vor Beginn dieses Spieljahres veranstaltete der DSV 1900 erstmals das attraktive Turnier um den riesengrossen „Caramba-Cup", das sich bis 1994 seiner Beliebheit erfreute und immer eine gute Publikumsresonanz fand.
Die folgenden Jahre standen in Wanheimerort unter keinem guten Stern. 1984 trat der altgediente Franz Hering, der im März 1999 aus der Hand der Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling das Sportherz der Stadt Duisburg für besondere Verdienste erhielt, die Nachfolge des 1. Vorsitzenden Willi Hoffarth an.
Viel Geduld und starke Nerven erforderten die Spieljahre 1984/85 und 1985/86, in denen die „Erste" nur den rettenden 13. Tabellenplatz erreichte, also mit dem sogenannten „blauen Auge" davon kam. Dem engagierten Trainer Heinz-Günter „Mäuschen" Schmidt fiel ein Stein von Herzen, das alles gut ging. Als aktiver Spieler hatte er zuvor viele Jahre im DSV-Dress gekickt, genau wie Erwin Roßmüller.
Bessere Zeiten
Nun musste etwas passieren. Der Vorstand reagierte, holte einen in Duisburg ziemlich unbekannten Trainer; sein Name: Claus Steen. Dieser sorgte während seiner dreijährigen Tätigkeit für etwas frischen Wind, obwohl weiterhin umfangreiche personelle Veränderungen durch Zu- und Abgänge ständig Neuformierungen erforderten.
Zweimal reichte es jedenfalls zu Tabellenplätzen im oberen Tabellen-Drittel. In der Saison 1986/87 legten seine Schützlinge nach dem 2. Spieltag eine Serie von dreizehn Spielen ohne Niederlage hin, was jedoch im zweiten Durchgang ein Wunschtraum blieb. Zwei Jahre später präsentierte das DSV-Team tolle Auswärtsstärke mit 11:3-Punkten aus der Vorrunde, war aber von einer ungewohnten Heimschwäche befallen. Ein sehr wechselhafter Zustand.
Nach einjähriger Trainer-Tätigkeit des Ex-Profis Helmut Balke, kam Bernd Lehmann nach Wanheimerort zum DSV 1900. In dem ehemaligen MSV-Spitzenfußballer setzte man hohe Erwartungen. Es ging nun mit dem jungen Kurt Oellig als Nachfolger des 1. Vorsitzenden Franz Hering in die 90er-Jahre.
Mit neuen starken Kräften formierte Lehmann eine Mannschaft, die zunächst mit „viel Mumm" zur Sache ging. Im ersten Durchgang lief alles wie geschmiert. Da rangierte der DSV 1900 hinter den Amateuren des Bundesligisten MSV Duisburg auf Rang 2. Jedoch die Konzentration liess nach.
Unterm Strich stand bei der Endabrechnung „nur" der 4. Platz. Turbulent die Saison 1992/93, als man trotz spielstarker Abgänge und sechs „Rotsündern" nach einem Endspurt mit 8:2-Punkten wieder Vierter wurde.
Abstieg für immer?
In der Saison 1993/94 bahnte sich das Ende in der Landesliga für den DSV 1900 an. Bei immer knapperen finanziellen Mitteln und höheren Forderungen bei Neuzugängen, musste der Vorstand die Bremse ziehen, um eine Verschuldung zu vermeiden. Mit gemischten Gefühlen gingen die Kicker an den Start. Was die Pessimisten befürchteten, trat ein. Bei den Wanheimerortern lief nichts mehr. In den ersten 17 Spielen kamen nur neun Pluspunkte zustande und man war Vorletzter.
Die Stimmung sank fast auf den Nullpunkt, als nach der Winterpause keine Besserung eintrat. So warf der ratlose Coach Bernd Lehmann vorzeitig das Handtuch. In die Bresche sprang zwar Schorsch Lessmann, aber das „Schicksal" war besiegelt. Mit einer 1:2-Heimniederlage gegen VfL Rhede verabschiedeten sich die DSV 1900er für immer aus der Landesliga.
Ein Kuriosum: Von vier Landesligisten, die im Einsatz waren, überlebte nur Viktoria Buchholz. Die Teams des DSV 1900, VfL Süd und die „alte Tura" aus Neudorf stiegen gemeinsam ab. Dunkle Wolken über dem Fußball-Himmel im Duisburger Süden.
Kleine Bilanz
Von 1981 bis 1994 bestritt die 1. Mannschaft des DSV 1900 insgesamt 392 Landesliga-Spiele. Davon wurden 144 gewonnen, gingen 127 verloren und 121 Unentschieden.
Torverhältnis: 585:586
Punktekonto: 409:375
Landesliga (Gruppe 3) Saison 1993/94
Rang: Verein: Tore: Punkte:
1. VfB Lohberg 90:34 52-16
2. Adler Osterfeld 62:31 48-20
3. RW Essen Amateure 60:45 41-27
4. SV Kray 04 67:55 40-28
5. FSV Kettwig 65:42 39-29
6. VfL Rhede 64:42 37-31
7. VfB Speldorf 55:52 36-32
8. Viktoria Buchholz 58:59 35-33
9. 1.FC Mülheim 57:62 35-33
10. VfB Bottrop 57:46 34-34
11. FC Kray 49:49 33-35
12. Sterkrade-Nord 54:62 33-35
13. SC Bocholt 31:38 31-37
14. Essener SV 36:42 30-38
15. Fortuna Bredeney 30:46 28-40
16. DSV 1900 38:59 27-41
17. TuRa 88 Duisburg 39:72 21-47
18. VfL Duisburg-Süd 32:106 12-56

 

In der Bezirksliga
Seit 1994 „dümpelt" nun die 1. Mannschaft des DSV 1900 in der siebenklassigen Bezirksliga herum. Grosse Sprünge konnte man nicht mehr machen, denn das Geld wurde immer knapper. Die Zahl der Gönner nahm ab und die finanziellen Aufwendungen zum Überleben haben sich erhöht. Seit langem lassen die Zuschauerzahlen zu wünschen übrig. Nur selten klingelte mal die Kasse. Das weiss am besten Karl-Heinz Koch der sich als langjähriger Ansager bei Heimspielen hohe Verdienste erworben hat.
Im Spieljahr 1994/95, seitdem wird beim DSV alljährlich munter um den „Reifen-Geise-Cup" gespielt, trainierte der ehrgeizige Horst Müller die Truppe, brachte sie auf den 5. Rang, konnte nicht zufrieden sein. Dass der einzige „Rotsünder" Pogadetz noch 19 Treffer erzielte, verdient besondere Erwähnung.
In der Folgezeit dann nur noch dreimal ein zweistelliger Tabellenplatz, bei einem neuen Punkte-System. In der Saison 1998/99 landeten die Schützlinge von Trainer Horst Nelles, der im vierten Jahr als Trainer tätig ist, zwar den 3. Tabellenplatz, aber mit einem deutlichen Punkteabstand hinter Meister Viktoria Buchholz.
In diesem Jubiläumsjahr 2000 wird es weiterhin keinen sportlichen Höhepunkt geben. Ein gesicherter Mittelplatz, mehr nicht. So endet die hundertjährige Fußball-Story des Wanheimerorter Traditionsvereins mit ihren oft wechselnden Höhen und Tiefen.
Bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten und zuversichtlich war man beim Duisburger SV 1900 ja immer!